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NZZ | Papst Franziskus brüskiert Nicaraguas Opposition

Author: Peter Gaupp.
Image: Verstört die Opposition in Nicaragua: Papst Franziskus (Aufnahme: 27. Februar). (Bild: Yara Nardi / Reuters)
Erscheinungsdatum: 12.04.19

Papst Franziskus hat den Weihbischof von Managua, Silvio Báez, «für einige Zeit» nach Rom berufen. Dies teilte Báez selbst in einer Pressekonferenz mit – ohne zu verhehlen, dass dies gegen seinen Willen geschehe. Der 60-jährige Geistliche hat sich in der bald ein Jahr andauernden Krise Nicaraguas als scharfer Kritiker des Präsidentenpaars Daniel Ortega und Rosario Murillo profiliert. Er prangert die brutale Unterdrückung der Massenproteste und die Verfolgung der Exponenten der Oppositionsbewegung schonungslos an. Er scheut sich auch nicht, den Präsidenten und die Vizepräsidentin mit den biblischen Ungeheuern der Apokalypse zu vergleichen.

Dass Mordpläne gegen Báez geschmiedet wurden, wie dieser selbst erfahren hatte, scheint für die Entscheidung des Papstes weniger den Ausschlag gegeben zu haben als die Bemühungen des Apostolischen Nuntius in Nicaragua, des Polen Waldemar Sommertag, die festgefahrenen Verhandlungen zwischen dem Regime und der oppositionellen Bürgerallianz wieder in Gang zu bringen. Dies, nachdem Ortega klargemacht hatte, dass er auf die Forderungen nach einem Rücktritt oder einer vorgezogenen Neuwahl nicht eintreten will. In Managua wird jetzt darüber spekuliert, ob mit der Abberufung des unbequemen Bischofs eine Konzession Ortegas erkauft werden soll. Ist dies nicht der Fall, könnte die Massnahme des Papstes nur als Desavouierung des nicaraguanischen Klerus interpretiert werden, der sich in den vergangenen Monaten im Volk Ansehen als Verfechter der Bürger- und Menschenrechte erworben hat.

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